Plenar- und Halbplenarvorträge

Claus Altmayer

Sprache und Partizipation. Überlegungen zu einer ‚diskursiven Landeskunde‘ im Kontext von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache

Der Konsens, dass das Lernen und Lehren des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache auch kulturelle Aspekte umfasst, wird derzeit von mehreren Seiten grundsätzlich untergraben und in Zweifel gezogen, z. B. im Zuge der weltweiten bildungspolitischen Tendenz zur Orientierung an überprüfbaren Kompetenzen. Andererseits aber gibt es gerade im Kontext der Globalisierung viele gute Gründe zu der Annahme, dass kulturelle Orientierung noch nie so wichtig war wie gerade heute.

Der Vortrag möchte angesichts dieser in sich widersprüchlichen Diagnose ein neues Konzept des kulturbezogenen Lernens im DaF-/DaZ-Kontext vorstellen, das in den letzten Jahren im Rahmen des Wissenschaftsbereichs Kulturstudien am Herder-Institut der Universität Leipzig entwickelt worden ist und 2016 mit der Materialsammlung Mitreden auch Eingang in praxisorientierte Kontexte unseres Fachs gefunden hat. Die übergeordneten und grundsätzlichen Überlegungen und Zielsetzungen des Konzepts, aber auch die möglichen Umsetzungen sollen im Vortrag erläutert und begründet und anhand von Beispielen (u.a. aus Mitreden) auch ausführlich illustriert werden.

Prof. Dr. Claus Altmayer, Herder Institut, Universität Leipzig, Deutschland

Freitag, 10.20 – 11.15 Uhr

Sandra Reitbrecht

Sprechflüssigkeit – Lernziel oder auch Lehrziel?

Dass Sprechflüssigkeit ein Ziel beim Fremdsprachenlernen sein kann, wird kaum jemand anzweifeln. Doch wie steht es um Sprechflüssigkeit als Lehrziel? Verankern wir sie als solches in unserer Unterrichtsplanung? Bieten wir konkrete Übungsanlässe im Unterricht? Oder gehen wir viel eher davon aus, dass sich eine flüssige Sprechweise beim Fremd­sprachen­lernen von selbst einstellt?

Ausgehend von diesen Fragen zeigt der Vortrag in einem ersten Schritt, dass der Annahme einer „automatischen“ Verbesserung von Flüssigkeits­graden mit Skepsis zu begegnen ist. Vielmehr hält die L2-Flüssigkeits­forschung nämlich Indizien dafür bereit, dass es eine gezielte Förderung von Flüssigkeit im Fremdsprachenunterricht anzustreben gilt. Daher diskutiert der Vortrag in einem zweiten Schritt, wie eine solche Förderung aussehen und Sprechflüssigkeit als Lehrziel im DaF-/DaZ-Unterricht verankert werden kann.

Mag. Dr. Sandra Reitbrecht, Pädagogische Hochschule Wien, Österreich

Freitag, 14.30 – 15.25 Uhr

Marianne Jacquin

Textgattungen im Sprachunterricht: Möglichkeiten und Grenzen

Welches sprachliche Wissen und welche Kompetenzen braucht man, um „als gesellschaftlich Handelnde“ in einer Fremdsprache an verschiedenen Kontexten des öffentlichen Lebens teilnehmen zu können? (Europarat. Gemeinsamer Europäischer Referenrahmen für Sprachen, 2001:21) Was wird in der Schule diesbezüglich unterrichtet? Welchen Schwierigkeiten begegnen Lehrpersonen beim Lehren und SchülerInnen beim Erlernen des adequaten Gebrauchs von Textgattungen?

Diesen Fragen soll anhand einer auf der Sekundarstufe I im Genfer DAF-Unterricht durchgeführten Studie zum Lehren und Erlernen von Textgattungen nachgegangen werden. Anhand von Beispielen aus den Bereichen der Sprech- und Schreibfertigkeit (mündliche Erzählung, Debatte, Leserbrief) soll aufgezeigt werden, welches Potenzial Textgattungen für einen sprach-integrierenden Ansatz bieten und welche Aufgabenstellungen und Übungen die Entwicklung der Handlungsfähigkeit unterstützen, aber auch wo die Grenzen des Ansatzes liegen.

Dr. Marianne Jacquin, Institut de Formation des enseignants (IUFE), Universität Genf

Samstag, 09.45 – 10.40 Uhr

Alexis Feldmeier

Die Alphabtisierung von zugewanderten Jugendlichen und Er-wachsenen: ein Spannungsfeld zwischen DaZ-Förderung und Inklusion 

Die Zuwanderung von Flüchtlingen stellt Bildungssysteme vor große Herausforderungen. Nicht nur in der Erwachsenenbildung, sondern insbesondere auch im Schulsystem fehlen geeignete Konzepte, um zuge­wanderten Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen angemessen begegnen zu können. Der Vortrag thematisiert die Notwendigkeit einer konsequenten Ressourcenorientierung in der Alphabetisierungsarbeit, welche realistische Zielsetzungen berücksichtigt. Es werden Schnitt­mengen zwischen DaZ-Förderung und Inklusion aufzeigt, Vor- und Nach­teile der Unterrichtsmodelle „Alphabetisierung in der Zweitsprache Deutsch“ und „Deutsch als Zweitsprache mit Alphabetisierung“ thematisiert und vor dem Hintergrund realistischer Erwartungen im Zusammenhang mit Fossilisierungserscheinungen auf ihre Praxisrelevanz geprüft.

Dr. Alexis Feldmeier, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland

Samstag, 09.45 – 10.40 Uhr

Sara Hägi-Mead und Hannes Schweiger

Machtvoll mitreden

In unserem Vortrag setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie der Fremd- und Zweitsprachenunterricht dazu beitragen kann, die Möglichkeiten der Lernenden zu gesellschaftlicher Teilhabe zu erweitern. Ausgangspunkt ist der Ansatz Kulturellen Lernens, den Claus Altmayer geprägt hat: Durch die Auseinandersetzung mit Texten werden die individuell verfügbaren Deutungsmuster aufgerufen, überprüft und gegebenenfalls präzisiert, erweitert oder revidiert. Wie ein so verstandenes kulturelles Lernen im Unterricht angesichts der gegebenen gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann, wollen wir aus migrationspädagogischer und machtkritischer Perspektive diskutieren. Insbesondere die Frage danach, wie der DaF/DaZ-Unterricht als Raum für Selbstermächtigung gestaltet werden kann, steht im Mittelpunkt unserer Überlegungen.

Prof. Dr. Sara Hägi-Mead, Institut für Bildungsforschung in der School of Education, Universität Wuppertal, Deutschland

Dr. Hannes Schweiger, Institut für Germanistik und Zentrum für LehrerInnenbildung, Universität Wien, Österreich

Samstag, 15.45 – 16.40 Uhr