Vorträge

Karin Aguado
Chunks als Schnittstelle zwischen Lexikon und Grammatik – Skizzierung eines handlungsorientierten Ansatzes zum Erwerb sprachlichen Wissens


Ausgehend von der Prämisse, dass Chunks an der Schnittstelle zwischen Lexikon und Grammatik angesiedelt sind und durch ihren Gebrauch sowohl lexikalisches als auch grammatisches Wissen erworben werden kann, soll ein handlungsorientierter Ansatz vorgestellt werden, dessen Ziel die korrekte, flüssige und angemessene Verwendung der Zielsprache darstellt.
Nachdem einleitend die zentralen Begrifflichkeiten „Wissen“, „Erwerb“ und „Handlungsorientierung“ geklärt worden sind und gezeigt wurde, was es mit der Verortung von Chunks an der o.g. Schnittstelle auf sich hat, soll im zweiten Teil des Vortrags illustriert werden, wie Lernende aller Typen und Niveaustufen durch ein gezieltes, auf Automatisierung angelegtes Chunk-Training in ihrem Spracherwerbsprozess so unterstützt werden können, dass sie sich rasch zu kompetenten Sprachbenutzer_innen entwickeln.

Prof. Dr. Karin Aguado, Professorin für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Institut für Germanistik, Fachgebiet Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Universität Kassel

Abschlussvortrag, Samstag 15.45– 16.40 Uhr

Elke Hentschel
Wie erklärt man, was ein Dativ ist?

Viele Sprachen kennen grammatische Kategorien wie Tempus, Genus, Kasus, Numerus nicht oder jedenfalls nicht in mit dem Deutschen vergleichbarer Weise. Im Unterricht kann dies zu einem echten Problem werden. Denn wie erklärt man jemanden, der eine solche Sprache spricht, was beispielsweise ein Dativ oder was ein Maskulinum ist? Im Mittelpunkt des Vortrags sollen Überlegungen dazu stehen, wie man auch komplexe grammatische Konzepte wie z. B. Kasus mit einfachen Mitteln zugänglich machen kann, indem man die allen Sprachen gemeinsamen kognitiven Konzepte zur Grundlage macht.

Prof. Dr. Elke Hentschel, Ordentliche Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft, Institut Für Germanistik, Universität Bern

Grusswort und Eröffnungsvortrag, Freitag 10.15 – 11.15 Uhr

Peter Lenz, Malgorzata Barras
Macht es Sinn, in niederschwelligen Sprachkursen für erwachsene DaZ-Anfänger/innen auf Chunks und Sprachflüssigkeit zu fokussieren? Ergebnisse einer Interventionsstudie


In unserem Beitrag stellen wir Ergebnisse einer Interventionsstudie vor, an der in den Jahren 2012-2013 erwachsene Migrant/innen aus zwölf DaZ-Anfängerklassen (6 Interventions- und 6 Kontrollklassen) teilnahmen. Ziel dieser Studie war es, einige laut der Fachliteratur erfolgsversprechende didaktische Elemente wie Arbeit mit Chunks und Flüssigkeitstraining in ein Kurskonzept für den Unterricht von schulungewohnten Migrant/innen zu integrieren und dieses in der Praxis mit einem eher konventionellen Kurskonzept zu vergleichen, um ggf. empirisch fundierte Empfehlungen für den Unterricht mit dieser Zielgruppe zu formulieren. Jede Klasse arbeitete 10-14 Wochen lang gemäss unseren Richtlinien mit den von uns adaptierten bzw. empfohlenen Materialien. Mittels eines Eingangs- und eines Abschlusstests wurden verschiedene schriftliche und mündliche Sprachkompetenzen der Kursteilnehmer/innen erhoben. Ausserdem wurden in Interviews mit den Kursleiter/innen Besonderheiten der Unterrichts- und Lernprozesse in den beiden Gruppen erfragt. Die Ergebnisse zeichnen ein interessantes Bild, das bezüglich der Leistungsfähigkeit der verglichenen Ansätze differenziert interpretiert werden muss.

Peter Lenz, Projektleiter, und Malgorzata Barras, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Wissenschaftliches Kompetenzzentrum für Mehrsprachigkeit, Fribourg/Freiburg

Halbplenarvortrag, Freitag, 14.30 – 15.25 Uhr

Schmidlin Regula
Vortritt, Vorfahrt, Vorrang – nationale und regionale Varianten des Standarddeutschen als didaktische und lexikographische Herausforderung

Eine Person, die Vieh schlachtet, zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet und verkauft, wird in Österreich Fleischhauer genannt, in Ostösterreich Fleischhacker, in Österreich, Norddeutschland und Mitteldeutschland Fleischer, im Norden und mittleren Westen Deutschlands auch Schlachter und in Westösterreich, der Deutschschweiz und dem mittleren Westen Deutschlands Metzger. An diesem Beispiel wird ersichtlich, dass es trotz des wahrscheinlich 95% umfassenden gemeindeutschen Wortschatzes nicht möglich ist, in jedem lexikalischen Bereich in der intendierten Stillage gemeindeutsch zu schreiben. In solchen Fällen ist die Wahl eines bestimmten Wortes immer auch die Wahl, sich entweder zu einer bestimmten Herkunft zu bekennen oder aber diese absichtlich nicht preiszugeben. Oft werden lexikalische Varianten des Standarddeutschen als störend empfunden, ganz besonders beim Erwerb von Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache. In meinem Vortrag werde ich die unterschiedliche Einstellung von Sprecherinnen und Sprechern aus dem ganzen deutschen Sprachraum gegenüber standardsprachlicher Variation thematisieren. Überdies werde ich erläutern, wie die Autorinnen und Autoren des Variantenwörterbuchs des Deutschen vorgegangen sind, um die standardsprachlichen Varianten des Deutschen auf empirischer Basis zu dokumentieren.

Prof. Dr. Schmidlin Regula, Assoziierte Professorin für germanistische Linguistik, Universität Fribourg/Freiburg

Halbplenarvortrag, Freitag, 14.30 – 15.25 Uhr

Erwin Tschirner
Wortschatzwissen als Grundlage zweitsprachlicher Kompetenzen   


Wie viele und welche Wörter braucht man, um auf unterschiedlichen GER-Niveaus sprachlich handlungsfähig zu sein? Gibt es unterschiedliche Wortschatzbedarfe für Lesen, Hören, Sprechen und Schreiben? Wie viele und welche Texte muss man lesen und hören, um einen vernünftigen Lese-und Hörwortschatz zu erwerben? Welches Wissen haben wir über Wörter? Wie erwerben wir dieses Wissen? Welche Rolle spielt das Vokabelpauken? Diese und andere Fragen zum Wortschatzwissen, zum Wortschatzerwerb und zum Wortschatzlernen stehen im Mittelpunkt dieses Vortrags, der auf der Basis aktueller Studien zum fremdsprachlichen Wortschatzbedarf und Wortschatzerwerb didaktisch-methodische Konzepte vorstellen und ihre Umsetzung im DaF-Unterricht diskutieren möchte.

Prof. Dr. Erwin Tschirner, Professor für Deutsch als Fremdsprache, Universität Leipzig

Plenarvotrag, Samstag 9.45 – 10.40 Uhr