Plenarvorträge

Freitag, 10.20 – 11.15 Uhr:

Thomas Studer

Titanic und Ruderboote? Zum erweiterten Referenzrahmen und ausgewählten Befunden empirischer Spracherwerbsforschung in ihrer Bedeutung für den Sprachenunterricht

Die Wasserverdrängung des Referenzrahmens (GER 2001) ist enorm: Didaktisch-methodische Prinzipien wie besonders die Kompetenz- und Handlungsorientierung sind aus kaum einem Sprachlernkontext mehr wegzudenken. Absehbar ist ausserdem, dass auch die neuen Kann-Beschreibungen des Begleitbandes zum Referenzrahmen (Companion Volume 2018) in ganz verschiedene Curricula und Lehrmittel von DaF und DaZ Eingang finden werden. Was aber wäre, wenn der Referenzrahmen in der Art der Titanic unterwegs wäre?

In meinem Beitrag möchte ich einerseits Neuerungen im Referenzrahmen in Bezug auf ihren empirischen Gehalt befragen und aus einer didaktischen Perspektive diskutieren, dies mit Fokus auf die mehrsprachigen und kulturellen Kompetenzen. Andererseits sollen aktuelle, für den Unterricht interessante Beispiele der Spracherwerbs- und Unterrichtsforschung (die Ruderboote) aufgegriffen werden, darunter solche zur performativen Didaktik, zur Mehrsprachigkeitsdidaktik und zu korpusorientierten Ansätzen des Lehrens und Lernens.

Prof. Dr. Thomas Studer, Universität Fribourg

Freitag, 14.30 – 15.25 Uhr:

 Liana Konstantinidou

Konzepte der Sprachförderung zwischen Inklusion und Exklusion: Akteure, Praktiken und Ideologien in der Deutschschweiz

Der gesellschaftliche und politische Diskurs über die Rolle der Sprache für die soziale und berufliche Integration spiegelt sich aktuell in sprachpolitischen Entscheidungen, gesetzlichen Revisionen und nicht zuletzt Curricula und Konzepte der Sprachförderung im europäischen und im schweizerischen Kontext. Im vorliegenden Vortrag sollen aktuelle Ziele, Inhalte und Methoden des Sprachunterrichts für Erwachsene in der Deutschschweiz diskutiert werden. Darüber hinaus soll der Zusammenhang zwischen Sprachideologien, Unterrichtsmethoden und Curricula geprüft werden: Wie wird Sprache verstanden und welchen Einfluss hat dieses Verständnis auf Sprachförderkonzepte und den Unterricht selbst? Welche Akteure führen den Diskurs über Sprache und Integration und wie interagieren diese?

Prof. Dr. Liana Konstantinidou, ZHAW

Samstag, 09.45 – 10.40 Uhr:

Daniel Elmiger

 DaF in der Westschweiz: eine Fremd- oder eine fremde Sprache?

Seit über zweihundert Jahren gibt es in der Westschweiz neben Unterricht in den klassischen Sprachen auch öffentlichen Unterricht in der modernen Fremdsprache Deutsch. Die Ziele des Fremdsprachenunterrichts im Allgemeinen und diejenigen des Deutschunterrichts im Besonderen sind einem stetigen Wandel unterlegen: Neben kommunikativen und kulturellen geht es namentlich auch um schul- und staatspolitische Ziele.

In neuerer Zeit sind Entwicklungen hinzugekommen, die einerseits den gesamten Sprachenunterricht betreffen (etwa die Kompetenzorientierung, der Westschweizer Lehrplan oder die Suche nach einer sprachenübergreifenden Didaktik), andererseits auch spezifisch den Deutschunterricht (beispielsweise die Einführung neuer Lehrmittel, die den gesamten Volksschulbereich abdecken).

Im Vortrag soll ein Überblick über neuere Tendenzen im Westschweizer Deutschunterricht gegeben werden, die auch im Lichte der geschichtlichen Entwicklung beleuchtet werden.

Prof. Dr. Daniel Elmiger, Universität Genf

Samstag, 15.45 – 16.40 Uhr:

Hermann Funk

GER, Korpusforschung und digitale Übungsformate als Herausforderungen für die Lehrwerkforschung und -entwicklung: Bestandsaufnahme und Ausblick

Der Europäische Referenzrahmen (2001) hat die didaktisch-methodische Forschung und Entwicklung in den letzten Jahren nachhaltig beeinflusst, aber auch sprachenpolitisch problematische Nebenwirkungen gezeitigt. Dass die Erweiterung von 50 auf 80 Skalen und die damit verbundene Ausweitung der Deskriptoren im Companien Volume (2018) einflussreich sein werden, steht zu erwarten, stellt allerdings auch eine Herausforderung für die Operationalisierung dar.

Während Korpus- und Lehrwerkforschung bisher eher nebeneinander existierten, erscheint die Nutzung von Erkenntnissen aus systematischen Sprachbeschreibungen zwar eher am Anfang zu stehen, aber neue Möglichkeiten systematischer Planung zu eröffnen. Dabei geht’s nicht nur um Fragen der lexikalischen Progression, sondern auch um Konsequenzen für Form und Inhalt der Grammatikarbeit. Ein weiterer Forschungsbereich, der mit der Korpus- und Lehrwerkforschung verbunden ist, stellt die Entwicklung digitaler Übungsformate dar, die zwar zunächst zu einer digital bedingten Einengung der Übungsformate in einer Vielzahl von Apps führte, in der Konsequenz aber neue Optionen in Bezug auf die Interaktionsformen im Kursraum, die Individualisierung und Personalisierung von Lerninhalten eröffnet. Im Vortrag sollen Arbeitsbeispiele und Forschungsergebnisse zur Diskussion gestellt und Perspektiven aufgezeigt werden.

Prof. Dr. Hermann Funk, Friedrich-Schiller-Universität, Jena