Workshops

ACHTUNG: Die Anmeldefrist für die Tagung ist abgelaufen, eine Anmeldung ist leider nicht mehr möglich.

A) Krisztina Armbruszt
Ein paar Brocken Deutsch – Lernen mit chunks


In vielen alltäglichen kommunikativen Situationen verwenden wir formelhafte Ausdruckssequenzen (z.B. Wie geht`s? oder Es tut mir leid.). Deutschlernende eignen sich formelhafte Äusserungen (chunks) situativ eingebettet als Ganzes an. Das Speichern von chunks, die in kommunikativen Situationen und Diskursen verzögerungsfrei als Ganzes abrufbar sind, erleichtert die Sprachproduktion und vermittelt dem Sprecher ein Gefühl von Sicherheit und Souveränität im Umgang mit der Sprache. Chunking ist gerade zu Beginn des Fremd-/Zweitspracherwerbs- prozesses eine Erfolg versprechende Strategie.
Der Workshop bietet
- einen Einblick in den Zusammenhang von chunking und Spracherwerb
- eine Übersicht über die Funktionen von chunks
- eine kleine Palette von Übungstypen für chunk-basiertes Lernen auf der Niveaustufe A1.

Krisztina Armbruszt, Abteilungsleiterin Sprachunterricht und Erwachsenenbildung, SAL Höhere Fachschule für Sprachberufe, Zürich

B) Elke Breitenfeldt
Be-deut-ung: morphologisches Wissen nutzen zum Wortschatzaufbau
Worte auseinander nehmen und zusammensetzen statt sie zu übersetzen

Die ständige Präsenz von smartphones und anderen internetfähigen Geräten in Lernsituationen verstärkt die Möglichkeiten und damit auch die Versuchung, jedes unbekannte Wort schnell zu übersetzen und damit – scheinbar – einen ebenso schnellen Lernzuwachs zu erreichen. Meiner Erfahrung nach geht damit häufig eine Beschleunigung des „Vergessenskreislaufs“ einher. Die Worte werden ebenso schnell vergessen, wie sie nachgeschaut wurden.
Ermutigt man hingegen die Lernenden durch den Einsatz von morphologischem Wissen, zumindest zu versuchen, sich die Bedeutung eines Wortes über das Verständnis der einzelnen Silben zu erarbeiten, könnte der Lernerfolg nachhaltiger sein.
Mit den Workshop-TeilnehmerInnen soll die semantische Funktion der häufigsten Morpheme im Deutschen erarbeitet werden und anhand unterrichtspraktischer Beispiele spielerisch ausprobiert werden, wie sich dieses Wissen zum Wortschatzaufbau einsetzen lässt.

Dr. phil. Elke Breitenfeldt, Lehrbeauftragte für deutsche Sprache, Universität St. Gallen

C) Georgina Dragovic
Wie DaF-LernerInnen im Anfängerunterricht durch dramapädagogische Verfahren zum Grammatiklernen motiviert werden können

Dass Grammatik bei DaF-LernerInnen unbeliebt ist, ist nichts Neues. Trotzdem stellt die Motivierung der SchülerInnen zum Grammatiklernen immer noch ein aktuelles Problem dar. Nun stellt sich die Frage: Ist es möglich, Grammatik so zu vermitteln, dass die SchülerInnen die grammatischen Strukturen nicht nur besser verstehen und erwerben, sondern auch Spaß am Lernen haben?
Dieser praxisbezogene Workshop soll das Potenzial dramapädagogischer Verfahren für die Grammatikvermittlung erläutern. Anhand von Praxisbeispielen soll aufgezeigt werden, wie Grammatik im schulischen Kontext dramapädagogisch vermittelt werden kann, um den Weg für ein verständliches, nachhaltigeres und motivierendes Grammatiklernen zu ebnen. Im Workshop werden auch Personen eingeladen, dramapädagogische Übungen selber zu erleben und auszuprobieren.

Georgina Dragovic M.A., DaF-Lektorin, Fakultät für Philosophie und Künste, Universität Kragujevac, Serbien

D) Barbara Etterich
Wortschatzlernen mit Kurzfilmen

In diesem Workshop möchte ich am Beispiel von einigen Kurzfilmen und Kurz-spielfilmen zeigen, wie man Wortschatz zu verschiedenen Themen auf unterhaltsame Art fast automatisch erarbeiten und durch Übungen und gesteuerte Gespräche und Diskussionen festigen kann. Kurzfilme sind eine beliebte und spannende Bereicherung des Sprachunterrichts und sie lassen sich ohne viel Aufwand in den Unterricht integrieren. Besonders geeignet sind sie auch, wenn man aktuelle oder interkulturelle Themen behandeln will. Die Workshop-teilnehmerInnen werden in Gruppen anhand eines Beispiels selber Arbeitsmaterial erarbeiten. Sie erhalten ebenfalls eine Liste mit Kurzfilmen, die sich für den Deutschunterricht eignen und Tipps zu Freeware, mit der Filme einfach bearbeitet werden können.

Barbara Etterich M.A., Dozentin für DaF, Universität Fribourg/Freiburg, und Ausbildnerin für SprachkursleiterInnen, Klubschule

E) Stephanie Hafner, Julia Scheller
Der lexiko-grammatische Ansatz im Blended-Learning-Modus


Häufig werden die Ziele des Grammatikunterrichts auf Produktion und möglichst schnelle Automatisierung gerichtet. Dass es sich jedoch mit der Automatisierung nicht so einfach verhält, wurde in zahlreichen Studien belegt. Wie wird aus dem grammatischen Wissen ein Teil des lernersprachlichen Systems? Warum ist dieser Prozess so mühsam? Was sind die Prinzipien einer wissenschaftlich fundierten Grammatikvermittlung?
Zudem wagen wir einen Perspektivenwechsel: Wie wäre es, die künstliche Trennung zwischen Grammatik und Wortschatz zu überwinden und Grammatik als einen allgemeinen kognitiven Mechanismus zu begreifen?  Denn auch in der Grammatik wird deutlich, wie wir die Welt durch die Brille unserer Sprache wahrnehmen. Mit Hilfe von digitalen Medien lassen sich Grammatik und Wortschatz im Präsenz- und Blended-Learning-Unterricht integriert vermitteln. Dieser Zugang  zur Grammatik motiviert, sich mit der Sprache zu beschäftigen, fördert Reflexion und Sprachbewusstsein – auch durch zusätzliche (digitale) Visualisierungshilfen – und hilft darüber hinaus, negative Einstellungen gegenüber Grammatik aufzulockern.
Nach einem kurzen Vortrag werden die Teilnehmer diese Fragen anhand konkreter  Beispiele reflektieren und erste Ideen  für den eigenen Unterricht entwickeln.

Dr. Stephanie Hafner und Dr. Julia Scheller, Referentinnen Online-Sprachkurse, g.a.s.t / Deutsch-Uni Online, München

F) Katsiaryna Kanaplianik
Lernmehrwert kognitionslinguistischer Animationen in der Grammatikvermittlung


Im Workshop werden ausgewählte Themen der deutschen Grammatik anhand von körperlichen Erfahrungen beschrieben und in Form von animierten Darstellungen umgesetzt. Danach wird gezeigt, wie diese Animationen im Unterricht eingesetzt werden und den Prozess des Grammatikerwerbs unterstützen können. Anschließend haben die Teilnehmer die Möglichkeit, auf der Basis einiger bereits vorhandener Animationen zu ausgewählten Themen (u.a. Wechselpräpositionen, Modalverben, Passiv etc.) eigene Unterrichtsbeispiele auszuarbeiten.
Im Rahmen der Kognitiven Linguistik wird die enge Verbindung zwischen allgemeiner Kognition, Perzeption und Sprache postuliert. In diesem Zusammenhang wird Grammatik als ein bedeutungsvolles und plausibles System dargestellt, das sich unter Rückgriff auf konkrete, bildhafte Erfahrungen aus dem Alltag (Bewegung, Druck etc.) erklären lässt. Die Animationen bieten den Lernern einen leichteren konzeptuellen Zugang zur Sprache, denn sie veranschaulichen die Bildhaftigkeit von Grammatik und sind dank ihrer Dynamik für die Vermittlung von Erklärungsprinzipien, die räumliche und zeitliche Veränderungen sowie Kausalität implizieren, besonders gut geeignet (Betrancourt 2005, Roche 2013; Roche/Scheller 2008).

Katsiaryna Kanaplianik, Doktorandin, Ludwig-Maximilians-Universität München

G) Michael Langner
Wortschatzlernen in Zeiten der Euphorie – Neurodidaktik und digitale Medien


In der Sprachendidaktik gibt es (wohl schon immer?) ein stetes Auf und Ab hinsichtlich der Wichtigkeit einzelner Komponenten: Wortschatz, Grammatik, Landeskunde und/oder Literatur. In der letzten Zeit ist der Wortschatz wieder „en vogue“! Aber zu der Diskussion der bekannten Bereiche (Strategien, Lernen von Redewendungen statt Einzelwörter, etc.) sind Ergebnisse aus den Neurowissenschaften und die Perspektive der digitalen Medien hinzugekommen. Diese wecken teilweise euphorische Erwartungen – aber das hatten wir zu Zeiten des Sprachlabors auch schon mal!
Ich möchte in meinem Beitrag beide Bereiche behandeln, sie dabei aber kritisch „darauf abklopfen“, was realistisch gesehen verwertbar ist. Dazu dienen die beiden folgenden Leitfragen: a) Was zeigen die Ergebnisse der Hirnforschung für das (Wortschatz-)Lernen? b) Was können/könnten digitalen Medien für ein besseres Wortschatzlernen leisten?
Nach einer Input-Phase möchte ich an Hand von Thesen zur Diskussion animieren, die die Praxis der Teilnehmenden einbeziehen soll.

Dr. Michael Langner, Lehr- und Forschungsrat, Universität Fribourg/Freiburg

H) Ernst Maurer im Auftrag der Geschäftsstelle fide
Grammatikunterricht in der Zweitsprachförderung nach fide

Der fide-Ansatz fördert die kommunikative Handlungsfähigkeit der Lernenden in ihrem aktuellen Lebensumfeld. Verstehen und sich verständlich machen in spezifischen Handlungszusammenhängen (Szenarien) stehen dabei im Vordergrund, z.B. an einem Elternabend teilnehmen oder sich als Neuzuzüger/in am neuen Wohnort anmelden.
Das macht Sinn, sagen sich viele Kursleitende, insbesondere wenn wir die Zweitsprachförderung als Teil der Integrationsförderung verstehen. Zugleich fragen sie sich besorgt: Bleibt in diesem Ansatz nicht die Korrektheit des sprachlichen Ausdrucks auf der Strecke? Oder direkter: Wo bleibt da die Grammatik?
In diesem Workshop beschäftigen wir uns damit, wie die Grammatik einen sinnvollen Platz in der fide-Zweitsprachförderung erwachsener Migrantinnen und Migranten findet. Leitfragen dazu sind:
Welche Grammatikkenntnisse sollen zur Unterstützung und Erleichterung der alltäglichen Kommunikation vermittelt werden und wie werden sie in die Szenarien eingebettet?
Welche Rolle spielt das Zielpublikum für die Auswahl und die Art und Weise der Grammatikvermittlung?

Ernst Maurer, fide-Experte, Leitung Sprache und Integration, Zürich

I) Raffaella Pepe, Edgar Marc Petter
Unterricht auf hohem Niveau: To chunk or not to chunk?


Die Frage, ob Grammatikthemen im Fremd-/Zweitsprachenunterricht explizit vermittelt werden oder ob eher implizite Aneignungsprozesse angeregt werden sollen, lässt sich bis heute nicht schlüssig beantworten.
Als Kursleitende können wir auch nicht darauf warten, bis uns die Forschung die endgültige Antwort liefert. Vielmehr sind wir im täglichen Unterricht immer wieder herausgefordert, lernerzentrierte Angebote zu machen, die verschiedene Lernstile ansprechen.
Es geht also nicht um das Entweder-Oder, sondern um den geeigneten Einsatz verschiedener Herangehensweisen. Das Erlernen von Chunks, also von typischen Zwei- oder Mehrwortkombinationen, hat ja den grossen Vorteil, dass hier die oft künstlich wirkende Trennung von Wortschatz- und Grammatikerwerb aufgehoben wird.
In diesem Workshop sollen theoretische Grundlagen vorgestellt und diskutiert werden. Anhand von Beispielen aus dem Unterricht mit Fortgeschrittenen soll gezeigt werden, dass sich das Bewusstsein für Chunks und damit die Erinnerungsleistung für solche Wortkombinationen gesteigert werden kann, wenn sie kontrastiv über Sprachengrenzen hinweg thematisiert und geübt werden.

Raffaella Pepe, DaZ-Kursleiterin, Ausbildnerin, Lehrbuchautorin, Pepe education GmbH, und Edgar Marc Petter, Dozent Englisch, DaF/DaZ und Musik, ZHAW

J) Mia Smith
Kann man das googeln?

In den letzten Jahren hat sich der Sprachunterricht infolge technologischer Entwicklungen grundlegend verändert. Viele Schüler/innen lernen machen die Erfahrung, dass man mit Google Translate schnell schaffen kann, was sonst noch Mühe macht. Aber falsch verwendet werden die technischen Hilfsmittel schnell eher zu Feinden als Freunden. Entsprechend sollten Deutschlernende heute als Teil ihres Repertoires sprachlicher Lern- und Kommunikationsstrategien auch digitale Strategien erwerben. Aber wie unterrichtet man diese?  In meinem Workshop zeige ich, wie ich meine DaF-Schüler/innen mit unterschiedlichen elektronischen Hilfsmitteln bekannt mache. Zusammen schauen wir, wie man im Deutschunterricht folgende Tools sinnvoll einsetzen kann: Google, Google Translate, digitale Wörterbücher (im Handy sowie im Internet), Rechtschreibkontrollen z. B. in Word oder Wikipedia als Sprachwerkzeug. (Die Workshop-Teilnehmenden sollten ein Handy mit Wifi-Zugang mitbringen.)

Mia Smith, Lehrerin für Deutsch und Englisch als Fremdsprachen, Vallhamra skola, Partille, Schweden

K) Barbara Tscharner, Olivier Blanchard
Von Chunks und Hooks fürs gekonnte « Gspröchle » in fremden Zungen


In diesem Workshop gehen wir mit Ihnen der wechselseitigen Beeinflussung von Musik und Sprache anhand konkreter Beispiele nach. Sie erfahren, wie Text ein musikalisches Element und Laut Bedeutung ist. Dabei bewegen wir uns in einem mehrsprachigen Repertoire, von Vonlenska (Hoffnungsländisch) mit Sigur Rós, über Spanisch, Englisch, Französisch mit Manu Chao zu Deutsch- und Schweizerdeutsch-Varianten mit Jandl und Stiller Has. Wir zeigen, wie ausgewählte sprachliche Strukturen und kurze Texte mit Rhythmus und Lautmalerei verbunden als sprachliche Gebrauchsbrocken im Gehirn haften bleiben und situativ aktiviert werden können. Improvisierend schaffen wir schliesslich solche Brocken als Haken für eine erfolgreiche Kommunikation in gängigen und weniger gängigen kommunikativen Sprachspielen (nach Wittgenstein), und zwar stufenübergreifend.

Barbara Tscharner, Fachdidaktik Sprachen, und Olivier Blanchard, Fachdidaktik Musik, HEP Fribourg/PH Freiburg

L) Tamara Zeyer
Grammatiklernen mit einer interaktiven Lernsoftware


Grammatik ist einer der festen Bestandteile des Sprachlernprozesses. Grammatiklernen geschieht nicht nur im Unterricht. Aber können Lernende neue grammatische Regeln selbst entdecken und üben, auch wenn sie noch nicht so fortgeschritten sind? Im Workshop wird das Potential der digitalen Medien für die Grammatikvermittlung besprochen und eine interaktive Lernsoftware zum Grammatiklernen präsentiert. Anhand von Daten aus einem Forschungsprojekt wird gezeigt, wie die Lernenden mit Sprachniveau A1 bzw. A2 damit umgehen und welche Konsequenzen das für die Grammatikvermittlung hat. Anschließend wird darüber diskutiert, wie die Interaktive Grammatik in die Lernkontexte der Workshopteilnehmenden eingebunden werden kann.

Tamara Zeyer, M.A. Deutsch als Fremdsprache, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Justus-Liebig-Universität Gießen